Warum Vegan? Ist das nicht etwas radikal?

Hallo liebe Veganesen und Interessierten,

„warum ernährst Du Dich vegan? Also ICH könnt das ja nicht.“

„Vegetarisch ist ja schon schwer, aber vegan? Da kann man doch gar nichts mehr essen.“

Mit diesen oder ähnlichen Fragen werde ich seit 4 Jahren regelmäßig konfrontiert.

Schon immer sehr tierlieb und im Jahr 2000 bereits über ein Jahr lang Vegetarierin, hatte ich wohl einen Rückfall, wenn man das so nennen kann.
Im Nachhinein weiß ich, dass ich einfach zu wenig informiert war.

Heutzutage wird man regelrecht mit Postings, Blogs & Tweets überschwemmt, aber damals? Vitamin B12? Proteine?
Es gab nicht die Vielfalt an veganen Produkten oder Rezepten und auch als Veganer kann man sich durchaus schlecht ernähren und entweder massiv zu-, oder abnehmen.
Ich gehörte zur zweiten Gruppe, denn ich nahm in dieser Zeit radikal ab, (9 Kilo bei einem Anfangsgewicht von 58 Kilo und einer Größe von 1,68 cm) fühlte mich einfach nur schlapp und war sehr anfällig für Krankheiten.
Heute ist mir bewusst, dass ich zwar fleischfrei aber auch sonst ziemlich einseitig gelebt habe.

Im Oktober 2012 beschloss ich, künftig wieder fleischlos zu leben, mich nach meinem damaligen „Fehlversuch“ insgesamt gesünder zu ernähren, und mir geht es mit dieser Entscheidung aus ethischen sowie gesundheitlichen Gründen sehr gut.
Ich begann zudem verstärkt zu recherchieren.

Was mich heute, im Gegensatz zu vergangenen Tagen, nicht mehr zutiefst erschüttert,  wird auf vielen Facebook Chroniken noch immer mit großem Entsetzen geteilt oder mit Unkenntnis aufgenommen.
Dies wiederum führt mir immer wieder vor Augen, wie wichtig die Aufklärung in dem Bereich ist.

Wie ich bereits mehrfach betont habe, ist es nicht mein Weg die Moralkeule zu schwingen.
Ich möchte niemanden durch Ausgrenzung oder mit erhobenem Zeigefinger überzeugen, sondern möchte vorleben und alternative Wege aufzeigen.

Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, auf meinem Blog  mit schrecklichen Fakten, Bildern und Statistiken um mich zu werfen, möchte Dir jedoch gerne meine persönlichen Gründe nennen, die mich dazu bewogen haben, vegan zu leben.
Aufgrund meiner Recherchen zum Thema Veganismus und Tierschutz, lerne ich regelmäßig dazu und stoße auf Informationen, die mir immer wieder aufs Neue bestätigen, für mich die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

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Ich kann nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dass viele Kühe solch ein Dasein fristen müssen

1. Kälber werden kurz nach der Geburt von den Mutterkühen getrennt und die meisten Milchkühe bereits nach  4-5 Jahren geschlachtet, weil sie aufgrund der körperlich auszehrenden Leistung nicht mehr rentabel sind.

Nach der 9 monatigen Schwangerschaft, werden die Mutterkühe jedes Jahr erneut künstlich befruchtet, um weiterhin Milch geben können.
Eine Kuh produziert etwa 8 Liter Milch pro Tag für ihr Kalb, damit es satt  werden kann.

In landwirtschaftlichen Betrieben müssen Hochleistungskühe jedoch knapp 50 Liter Milch am Tag liefern, also 10.000–15.000 Liter pro Jahr!
Dies könnte man mit einem täglichen Marathonlauf vergleichen, denn für nur einen Liter Milch muss das Euter wiederum mit einer halben Tonne Blut durchspült werden. ²
Den Tieren werden kontinuierlich wichtige Nährstoffe entzogen, was sie über die Jahre hinweg auslaugt und letztendlich nicht mehr profitabel macht.
Ein grosser Teil der Tiere erkrankt zudem an Mastitis (Euterentzündung).

Männliche Kälber erwartet in der Kälbermast nach ungefähr einem halben Jahr der Tod.
In der Rindermast werden die Tiere nach etwa einem Jahr getötet.
Die weiblichen Tieren werden, wie ihre Mütter,  als Milchkuh eingesetzt. ³

2. Rinder im Versuchlabor müssen ihr Dasein, in ständiger Anbindehaltung, etwa 4-5 Jahre in einem Versuchslabor fristen.
Dort wird den Versuchskühen über ein Loch im Bauchraum (auch Fistel genannt)  regelmäßig Panseninhalt entnommen, um beispielsweise die Wirkung von leistungssteigernden Futtermitteln zu testen.
Die Butenländer Kuh Manuela war 4 Jahre lang Versuchskuh, bevor sie in das Kuhaltersheim kam.

Die operative Schließung ihres Bauchraumes war beim ersten Mal nicht erfolgreich, sodass sie unter ständigem Juckreiz litt, weil weiterhin Pansensaft und -gase aus ihrer Wunde austraten.
Die zweite OP im Sommer 2012 glückte, nur musste sie sich aufgrund ihrer vorangegangen Lebensgewohnheiten,  zunächst völlig reizüberflutet und ruhelos, an Sonnenlicht und Artgenossen gewöhnen.

Wenn man bedenkt, dass Rinder 30 Jahre alt werden können, ist das ein sehr trostloses Leben.

Dies waren jedoch nur wenige von vielen ausschlaggebenden Punkten, um zu entscheiden, dass mir der Verzicht auf Fleisch allein nicht ausreicht.
Die Vorstellung wie ein Kälbchen seiner Mutter weggenommen wird, nur damit ich die Muttermilch eines artfremden Lebewesens in Anspruch nehmen kann, war für mich fast noch absurder.

 

Gleiches betrifft Tierversuche in der pflegenden und dekorativen Kosmetik.
Nur um mir morgens ein Gesicht zu malen und meine Eitelkeit zu befriedigen, möchte ich nicht, dass ein Tier dafür leiden oder gar sterben muss.
Ich habe mir angewöhnt, Dinge viel intensiver zu hinterfragen, bevor ich auf ein bestimmtes Werbeversprechen aka: „Wimpern bis zum Himmel“ reinfalle.

Fazit

Neben den ethischen Aspekten, haben mich weitere positive Einflüsse immer wieder aufs Neue in meiner Entscheidung bestärkt.
Ich habe in Kombination mit Sport abgenommen, fühle mich insgesamt fitter und leistungsfähiger, meine Haut ist reiner, die Beschwerden meiner starken Heuschnupfen-Allergie sind um ein Vielfaches zurückgegangen.
Ich „leide“, im Grunde kann man es nicht mal mehr als solches bezeichnen, mittlerweile nur noch ca. zwei Wochen im gesamten Jahr, statt konstant von März bis September.
Die asthmatischen Symptome sind sogar vollständig verschwunden.
Ich muss dazu erwähnen, dass aufgrund der Schwere meiner Allergie keine Desensibilisierung durchgeführt werden konnte und mir mehrere Ärzte davon abgeraten haben, da sie bei mir nicht angeschlagen hätte.

Seitdem ich vegan lebe, hat sich mein psychisches und physisches Wohlbefinden verbessert, und ich habe nicht das Gefühl etwas zu vermissen, da man nahezu jedes Gericht/Produkt problemlos „ersetzen“ kann.
In vielen Städten und Einrichtungen werden bereits vegane Alternativen angeboten und auch das Internet liefert viele wertvolle Tips und Rezeptideen.

Aus diesen Gründen lebe ich vegan… weil ich keine tierischen Produkte mehr konsumieren will und MUSS. 

Wer sich Anregungen bei mir holen möchte, ist jederzeit herzlich eingeladen, auch wer generelle Fragen zum Thema hat.

Auf folgenden Seiten findest Du weitere Informationen zum Thema Veganismus und Co.:

Albert Schweitzer Stiftung

Vebu 

Ärzte gegen Tierversuche 

Hof Butenland 

Seit wann ernährst Du Dich vegan und was hat sich dadurch bei Dir verändert? Oder bist Du grade dabei Deine Lebensweise umzustellen und hast Fragen?  Erzähl mal! 😉 

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² = Quelle
³ = Quelle

7 thoughts on “Warum Vegan? Ist das nicht etwas radikal?

  1. Nachdem ich jetzt einige Monate in Thailand gelebt habe und es dort(nach 8 Jahren Vegetarismus) nicht einmal geschafft habe, vegetarisch zuleben(Überall ist Fischsoße drin und das Essen wird meist in die Mitte des Tisches gestellt, so dass jeder sich bedienen kann und meist gibt es auf der Karte kein einziges vegetarisches Gericht, so dass schon mein gebratenes Gemüse eine Herausforderung war. Ich habe zwar kein Fleisch oder Fisch gegessen, aber vegetarisch war das definitiv nicht. ), möchte ich jetzt zumindest, wenn ich zuhause für mich koche, vegan kochen. Auswärts und bei Freunden und Familie möchte ich es versuchen, aber mich auch ehrlich gesagt, nicht zu sehr stressen. So viel wie für mich mit wenig Aufwand möglich ist, halte ich für mich für den richtigen Anfang, mal sehen, ob ich dann konsequenter werde.

    1. Hey Nadine, 😉

      ich kenne das gut, wenn die veganen Auswahlmöglichkeiten begrenzt sind. 😉
      Zu Beginn hab ich mich dadurch sehr stressen lassen, weil ich es zu 100 % richtig machen wollte. 😉
      Bis ich irgendwann für mich beschlossen habe, mich selbst nicht so unter Druck zu setzen. Ich denke auch, dass man dadurch Gefahr läuft, seine Vorsätze wieder über Bord zu werfen.
      Man steht deutlich länger im Einkaufsladen, um Zutatenlisten zu checken, dann entdeckt man zuhause doch irgendwelche tierischen Inhaltsstoffe, bekommt Gewissensbisse etc.
      Man stößt evtl. Familien und Freunde vor den Kopf, die Dir in liebevoller Absicht Schokolade schenken oder einen Kuchen gebacken haben, der Ei oder Milch enthält… Muss ja alles nicht sein.
      Informieren, starten und nach und nach dazu lernen und Dein Umfeld einweihen… es wird sich vermutlich immer mal wieder ein Produkt einschleichen, was dann eben doch nicht zu 1000 % vegan war.
      Am Ende des Tages geht es nicht darum, wer zu 100 % konsequent respektive der beste Veganer ever ist. Du hast für Dich entschieden etwas verändern zu wollen und nur das zählt. 😉

  2. Ich sehe das genauso wie DU …ich habe auch nur Vorteile empfunden…mehr Gleichgewicht auch in psychischer Hinsicht, mehr Energie, ich habe so gut wie nie Hautunreinheiten und auch mein Gewicht hat sich super reguliert. Ich habe an Cellulite verloren und durch leichtes Training viel schneller Muskulatur aufgebaut. Außerdem habe ich kaum Heißhunger…Natürlich kann man sich auch vegan (mittlerweile) nur von Fertigmist ernähren…aber ich denke viele Lebensmittel die unbelastet und eh schon immer vegan waren können für einen nicht schlecht sein.

    Bei Cremes, Gesichtswasser und Co. benutze ich auch vegane bzw. Naturkosmetik. Nur bei dekorativer fällt es mir als Make UP Junky manchmal noch schwer.

    Liebst,

    http://www.madlenboheme.com
    Madlén Bohéme kürzlich veröffentlicht…Spray-Tanning im Beauty Inn Leipzig – Gesunde Bräune für den SommerMy Profile

    1. Schön, dass Du auch so viele positive Erfahrungen gemacht hast. 😀
      Im Make UP Bereich gibt es zwar mittlerweile viele gute Produkte, aber ich musste auch erst ewig rumprobieren, bis mir eine Mascara wirklich zugesagt hat. 😉
      Die Kosmetik-Vegan Seite von der Erbse hat mir da immer super geholfen.
      MuhKuhAddict kürzlich veröffentlicht…A little break for myselfMy Profile

  3. Das Video mit dem Kälbchen hat mich fast zum heulen gebracht. Ich glaube das bei vielen Menschen – und da nehme ich mich gar nicht raus – gar nicht mehr richtig verstanden wird das die „Ware Fleisch“ von fühlenden Lebewesen kommt.
    Kannst du mir ganz kurz sagen wie deine ersten Schritte hin zum veganen Denken passiert sind? Hast du dich schrittweise angenähert oder „radikal“ den Schritt gemacht? Über deinen „Rückfall“ konnte ich ja schon lesen aber mich interessiert wie du im Alltag damit zurecht gekommen bist? Haben deine Mitmenschen dich unterstützt oder dir eher den Burger unter die Nase gehalten?

    Viele Grüße
    Mario
    Mario kürzlich veröffentlicht…Prag – Burgviertel und “Goldenes Gässchen”My Profile

    1. Huhu 🙂

      entschuldige die späte Antwort. 🙂

      Wie ich auf Nadines Kommentar bereits schrieb, habe ich mich zu Beginn sehr stressen lassen, um alles 1000 % richtig zu machen.
      Ich habe mich dann nach einigen „Anlaufschwierigkeiten“ dafür entschieden, zuhause strikt vegan zu essen und meine Kosmetik/Kleidung sukzessive umzustellen, bzw. künftig Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe einzukaufen.

      Wenn ich unterwegs oder irgendwo eingeladen war, griff ich auch mal auf vegetarische Alternativen zurück, sofern es wirklich nichts anderes gab, oder habe selbst etwas mitgebracht.
      Wenn sich ein Gastgeber so wahnsinnig viel Mühe mit dem Essen gemacht hat, aber dann doch mal ein Ei oder etwas Milch in die Gerichte gelangt ist, lehnte ich es aus Respekt vor der Arbeit ebenfalls nicht ab.
      Für mich hat das persönlich nichts mit mangelnder Konsequenz zu tun, sondern es gibt einfach Generationen oder Kulturen, in denen Essen als wahnsinnig hohe Ressource angesehen wird, oder man Menschen damit verletzt, wenn man deren selbstgemachte Speisen ablehnt. Ich hab mich dahingehend langsam rangetastet und es einfach immer wieder erwähnt, dass ich keinerlei tierische Produkte zu mir nehmen möchte.
      Mittlerweile versucht aber jeder, so gut es geht, auf mich einzugehen, ansonsten bringe ich immer eigene Alternativen mit. 🙂

      Es gab aber auch Menschen, die nicht nachvollziehen konnten, dass ich z.B. kein Hackfleisch essen möchte (sieht schließlich nicht aus, wie ein Tier ^^…) oder mich mit anderen Sätzen belehren wollten/wollen. 😉
      Darüber habe ich bereits einen Beitrag geschrieben. 🙂

  4. Ich bin ja immer ein bisschen neidisch, wenn Leute erzählen, was sich bei ihnen positiv verändert hat. Ich fühl mich einfach „sauberer“ weil ich nichts von Tieren konsumiere. Hatte zwischendurch auch mal Verbesserungen, was Haut angeht, aber das hat sich schon schnell wieder gelegt.

    Genauso aber auch mit Trinken. Alle sagen, wie tooooolll man sich fühlt und wie toll die Haut wird, wenn man eine Zeit lang viel trinkt. Nix. Nix. Nix. ^^‘

    Aber ich bin trotzdem glücklich mit dem vegan sein (und dem ausreichenden Flüssigkeitskonsum) 😉

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