Wahlsonntag und die Saat der Hetzer

Hallo liebe Interessierten,

mal wieder ein Post, mit dem ich hadere, weil man aufgrund der jüngsten Wahlergebnisse wohl mittlerweile Angst vor massivem Gegenwind haben muss.
Ich denke, es geht vielen Bloggern so.
Einerseits möchte man das Thema Politik aus seinen Beiträgen fernhalten und über Dinge schreiben, die einem Freude bereiten. Seine Erfahrungen weitergeben und Vorlieben teilen.
Da mir das Thema jedoch sehr am Herzen liegt, werde ich auch weiterhin aktuelle Geschehnisse aufgreifen und darüber schreiben.

Für mein Empfinden, haben sich erst relativ spät Artikel zur derzeit angespannten Lage angesammelt, aber sie sind allesamt treffend.
Sie spiegeln in vielerlei Hinsicht mein Denken wieder.
Grundsätze, die ich schon von klein auf lebe.

Es fällt mir schwer, meine Gedanken zu sammeln und hinsichtlich der vielen sprudelnden Worte in meinem Kopf auf den Punkt zu bringen.
24 %… ich schwanke zwischen Aggression und Hilflosigkeit. Ist beides ein beklemmendes Gefühl.
Die Saat der widerlichen Hetze von Pegida & Co. ist also aufgegangen.

70 000 schaffen es zu den toten Hosen… Lass das ein, zwei Mal bei einer Gegendemo passieren…aber es funktioniert nicht.
Mein Idealismus und ich können nicht akzeptieren, dass man nicht mehr tun kann, als selbst bei den Demos anwesend zu sein, wählen zu gehen und zu helfen, wo man kann, um eine weltoffene und tolerante Gesellschaft nicht noch mehr zu gefährden.
Mich würde AUCH interessieren, wie es wohl wäre, wenn sich auf einmal kein Schwein mehr für Legida und Co interessiert, niemand mehr zu den Demos geht…
Keine Presse, keine Gegendemonstranten… Wenn sie dort einsam und allein spazieren müssten…
Ich habe wohl doch die naive Hoffnung, irgendwohin durchzudringen und wie man sieht, bringt es recht wenig „sich rauszuhalten“.

Rassismus, Mobbing, Diskriminierung…Vorurteile basieren letztendlich nicht auf Erfahrungswerten. Oft wird als Grund die Angst vor dem Unbekannten genannt, oder die Suche von minderintelligenten Mitläufern nach der einfachen Antwort.
Leider kann man dies gar nicht mehr pauschal sagen, denn es wurde in vielen Wahlkreisen ganz bewusst rechts gewählt.
Ob nun aus Protest oder weil tatsächlich immer mehr Menschen sich trauen „ihren Mund“ aufzumachen und ganz offen mit ihrer rechten Gesinnung krakeelen.
Wird eh nicht bestraft, wenn der rechte Arm gestreckt, die Reichsflagge geschwenkt oder traumatisierte Menschen (Kinder!!!) mit grölenden Hass-Parolen verängstigt werden.

Mir stellt sich nur die Frage, warum der Mensch ein Feindbild braucht, wenn er mit sich selbst nicht im Reinen ist.

Geflüchtete und Migranten sind dann halt automatisch fanatische Extremisten, deren Wurzeln in muslimisch geprägten Ländern liegen.
Eine dunkle Hautfarbe macht jemanden automatisch zum Candyman, wenn man seinen Namen dreimal und mit angsterfüllter Stimme in den Spiegel wispert.
Geflüchtete sind dafür verantwortlich, dass ein Deutscher keine Arbeit bekommt.
Geflüchteten wird EINFACH SO ein Haus hingestellt und ihnen werden 4000 € monatlich in den Rachen geworfen.
BULLSHIT, VERDAMMT NOCHMAL!  
Aber es ist doch so einfach zu pauschalisieren.  Alle Flüchtlinge und Ausländer sind kriminell und alle Connewitzer sind linksradikal.
Ich habe allmählich keine Hoffnung mehr, dass die Menschheit nicht sukzessive verdummt und immer mehr nach rechts abdriftet, wenn ich Kommentare auf Facebook und Co. lese.

Viele AFD/NPD Wähler sind der Ansicht, dass es Ihnen schlecht geht oder dass es Ihnen noch besser gehen könnte. Dass Geflüchtete ihnen etwas wegnehmen.
Wenn man sich in der Welt umschaut, ist das einfach nur absurd.
Deutschland ist eines der reichsten Länder auf dieser Welt, hier ist jeder krankenversichert. Bei Arbeitslosigkeit bekommt man finanzielle Unterstützung.
In vielen Ländern gibt es Menschen, die 16 Stunden am Tag arbeiten und trotzdem ihre Familie nicht ernähren können.
Was wurde diesen Wählern denn angeblich weggenommen, seitdem Geflüchtete nach Deutschland kommen?

Anscheinend hat die AFD einen besonders starken Schub durch die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln bekommen. Hier besteht auf jeden Fall Handlungsbedarf.
Alleine in dieser Nacht sind viele abstruse Dinge passiert,  vor allem der Umgang mit den Informationen, Stichwort „Salamitaktik“, hat vieles nur noch schlimmer gemacht.
Wenn ich aber aktuell in der LVZ lese, dass ein Mann in den öffentlichen Verkehrsmitteln Leipzigs, reihenweise weibliche Teenager belästigt,  aber wieder freigelassen wird, kommt mir mein Essen hoch.
Der Vorfall war wohl nicht so gravierend, weil die Frauen sich rechtzeitig gewehrt haben.
Was bedeutet dies für die Gemeinschaft der Frauen? Wenn Du Dich wehrst, wird der Mann nicht bestraft, aber wenn Du Dich vergewaltigen lässt, bekommt er eine Bewährungsstrafe?
Und wehe es wird irgendwo eine Mülltonne angezündet, dann ist sofort von einer politisch motivierten Straftat die Rede.
Natürlich bekommen es die Menschen dann mit der Angst zu tun. Vollkommen verständlich.
Was mich zum zweiten Punkt bringt: Die selektive Wahrnehmung, verstärkt durch die Medien.

Wenn Deutsche, und ich meine damit Deutsche in etwa zehnter Generation, bei einer Tat beteiligt sind, heisst es:  „Täter A und Opfer B“.
Aber hat jemand in dritter Generation einen Migrationshintergrund, dann ist es der „südländische Täter“, oder der „Täter mit Migrationshintergrund“, oder ein „türkischstämmiger Schläger“.
Zufall? Bewusste Stimmungsmache?

Seit Monaten wird der AFD in den Medien eine Bühne geboten.
Man will schließlich seine Nachrichten verkaufen, und nur was polarisiert, verkauft sich heutzutage gut. Siehe die Zeitung, die wie „Foto“ heisst, nur anders eben.
Aber darüber darf sich gerne jeder selbst ein Urteil bilden.

Ich würde mir wünschen, dass nach den Wahl-Ergebnissen auch die Letzten aufgewacht sind, insbesondere der „schlafende Riese“.
Ich kenne einige Migranten und Ihre Nachfahren, mittlerweile auch viele mit deutschem Pass, die sich oftmals mehr für die Belange in ihren „Heimatländern“ interessieren, in dem sie einmal im Jahr für 4 Wochen Urlaub machen, aber in Deutschland leider nie wählen gehen.
Dieses große Potential müssten eigentlich auch die Volksparteien sehen und aktivieren.
Mein Wunsch richtet sich aber genauso an diejenigen, die meinen, dass Politik sie nicht interessiert oder sie mit ihrer Stimme eh nichts bewirken können.

Wir leben in Zeiten großer Individualität und größtmöglicher Auswahl. Für junge Menschen nicht nur völlig normal und selbstverständlich, sondern ein Ziel in Ihrem Leben.

Einzigartig zu sein, Produkte zu konsumieren, die auf MICH abgestimmt sind, bloß nichts weiter verwenden, was zu verbraucht ist.
Der Alptraum der meisten Frauen ist es, auf jemanden zu treffen, der das gleiche Outfit trägt.
So habe ich auch das Gefühl, dass „das Volk“, aber auch viele junge Menschen, in der Parteienlandschaft eine 100 %ige Übereinstimmung suchen.
Dies ist aber nicht möglich, dann bräuchten wir ca. 50 Millionen Parteien.
Es ist auch nicht Sinn einer Demokratie jedem 100 % gerecht zu werden.
Der Sinn der Demokratie besteht darin, dass alle Menschen eine Wahl haben und mitwirken dürfen. Dass ein größtmöglicher Konsens, auf Basis der Grundrechte, geschlossen wird.

Das falsche Verständnis würde jedoch auch die enttäuschten Menschen erklären.
„Mimimimimi, ich kann mir dieses Jahr kein neues Auto kaufen, mimimi, die Flüchtlinge bekommen alles in den Hintern geschoben… Ich geh nicht mehr wählen, ich habe doch die Partei X gewählt und es hat sich nichts geändert“ Korrekt! Weil DU nicht der Nabel der Welt bist.
Jeder will etwas und jeder will etwas anderes. Ein(e) Kanzler(in) ist kein Gott, und nicht mal der erfüllt (alle) Wünsche.

Abschließend möchte ich sagen, das es mich froh stimmt, zu sehen, dass noch nicht alles komplett mit rechtem Gedankengut verpestet ist und es Menschen gibt, die Mensch sind, Mensch sind, Mensch sind…

Schläfst Du noch, oder wählst Du schon? Erzähl mal! 😉 

3 thoughts on “Wahlsonntag und die Saat der Hetzer

  1. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen 🙂
    Ich finde es gut, dass du dich positionierst und denke auch, dass eine Gegendemo durchaus etwas bewirken kann, wenn sie eine entsprechende Größe erreicht. Vielleicht müssen die Hosen einfach mal eine dieser Gegen-Demos anmelden. Das guckt sich keine Stadt lange an und wird das nicht bewältigen können.
    Und das kleine Legida-Trüppchen darf beeindruckt von dannen ziehen. Ja, die Vorstellung hat was. 😉

    1. Ging mir ähnlich… fiel mir auch relativ schwer, den Beitrag nicht ausarten zu lassen. Er wäre sonst noch deutlich länger geworden.
      Ich hoffe allerdings, dass ich verständlich machen konnte, worum es mir geht. 🙂

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