Interview mit dem Kuh-Altersheim – Hof Butenland

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Hallo liebe Interessierten,

wie Ihr ja bereits wisst, dreht sich auf meinem Blog nicht alles um die Themen Fitness und Ernährung, sondern auch um meine ganz persönliche Liebe zu Kühen. ♥♥♥

Als ehemaliges Hauptstadt-Kind zog es mich nach 25 Jahren eher in ländliche Gefilde und ein großer Traum von mir war es, irgendwann einmal einen großen Hof  zu besitzen, weit ab vom Schuss und utopisch mit schnellem Internetanschluss, auf dem ich verschiedenen Tieren ein Zuhause gebe und sie bis zu ihrem Lebensende schütze und begleite.
Dies habe ich vor einiger Zeit beim Recherchieren in der Tierschutz Stiftung – Hof Butenland gefunden.

Dessen Gründer Jan Gerdes hat sich zum Ziel gesetzt, durch Aufklärung und mit gutem Beispiel, Liebe und Verständnis für die Tierwelt zu wecken und das Wohlergehen sowie eine artgerechte Haltung von Tieren zu fördern.

Die auf dem Hof Butenland lebenden Tiere werden durch die Stiftung dauerhaft geschützt und abgesichert.

Ganz angetan von der Geschichte des Hofes, wollte mein Kuhliebhaber-Herz aber viel mehr wissen und so stellte ich eine Anfrage, in der Hoffnung, dass mir einige meiner Fragen kurz beantwortet werden.

Ein solcher Hof stellt viel Arbeit dar, über 200 Tiere wollen schließlich versorgt werden und so war ich umso überraschter, dass meine Fragen so gewissenhaft und ausführlich beantwortet wurden.

Vielen lieben Dank an dieser Stelle an Kalle vom Hof Butenland!

Ich hoffe, Ihr seid genauso begeistert wie ich und ich würde mich freuen, wenn sich durch dieses Interview neue Paten finden, die die Stiftung ganz tatkräftig unterstützen. 🙂

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Interview

1. Sind alle „Mitarbeiter“ von Euch Vegetarier oder Veganer? Gibt es evtl. auch jemanden, der erst veg* geworden ist, seitdem er/sie auf dem Hof arbeitet?

– Die Menschen, welche 7 Tage die Woche auf dem Hof arbeiten und leben, ernähren sich vegan. Eine Mitarbeiterin, die unter der Woche auf Butenland arbeitet, hat seit dem Beginn ihrer Arbeit ihren Fleischkonsum, nach eigenen Angaben, stark reduziert.

2. Da es sich bei Euch um ein Kuhaltersheim handelt, stellt sich mir auch irgendwo die Frage, was mit den Kühen oder generell mit den Tieren passiert, wenn sie sterben? Gibt es vielleicht sogar eine Art Tierfriedhof?

– Die Kühe werden, wenn sie sterben von dem sogenannten Abdecker abgeholt.
Daran führt kein Weg vorbei.
Die Kühe sind auch alle bei der Landwirtschaftskammer gemeldet, was Pflicht ist.
Es handelt sich schließlich bürokratisch immer noch um sogenannte „Nutztiere“.

Wenn ein Todesfall eintritt, muss so schnell wie möglich die Abdeckerei benachrichtigt werden, welche einen LKW zu uns auf den Hof schickt.

Der LKW hat einen Greifarm angebaut mit dessen Hilfe der Tierkörper in einen verschließbaren Container befördert wird.
Dieser Vorgang ist sehr würdelos und nicht schön mit anzusehen.

Dann muss das verstorbene Tier noch bei der Landwirtschaftskammer abgemeldet werden. Alles wird genau dokumentiert.
Jedes Rind hat seine individuelle Kenn-Nummer.
Wenn andere Tierarten sterben, werden diese von uns beerdigt.
Es gibt in der Tat hier auf dem Hof auch einen kleinen Tierfriedhof.
Allerdings ist dieser nicht als solcher erkennbar, dennoch ist der Platz etwas Besonderes oder vielleicht gerade deswegen.

3. Damit sich meine Leser ein ungefähres Bild Eurer Arbeit machen können: Wie sieht Euer Alltag auf dem Hof aus? Wann beginnt der Tag, wann endet dieser?

– Der Tag beginnt meist gegen 8 Uhr.
Dann werden die Tiere wach und wollen Frühstück.
Wenn die Tiere gefressen haben, müssen die Futterbehältnisse eingesammelt und gereinigt werden.
Auch Wassertränken müssen frisch gemacht werden.
Der Rest des Tages gestaltet sich je nach Jahreszeit unterschiedlich.
Im Winter verbringt man viel Zeit damit die Ställe auzumisten.
Im Sommer müssen Weidezäune frei gemäht oder Heu gemacht werden.

Unabhängig von der Jahreszeit, werden Futtermittel besorgt, Reparaturen durchgeführt und Fahrten zum Tierarzt getätigt werden.
Jeder Tag ist somit ein wenig anders.
Zu Ende ist der Tag meist mit dem Sonnenuntergang.

Es gibt allerdings keine feste Uhrzeiten, zu welchen man die Mistgabeln fallen lässt.
Selbst wenn draußen die Arbeit erledigt ist, geht es im Haus/Büro mit den verwaltungstechnischen Arbeiten weiter.

4. Wie reagiert das unmittelbare Umfeld -also insbesondere Landwirte/Höfe, wo Tiere praktisch nur als Nutztiere gesehen werden- auf Euch? Für sie ist das evtl. etwas „befremdlich“?

– Ganz Butjadingen ist geprägt von der Landwirtschaft.
Natürlich sind wir da ein Dorn im Auge vieler Bauern.
Wir kritisieren schließlich ihre Arbeit, mit der sie ihren Lebensunterhalt verdienen.
Sie können es auch sicherlich nicht verstehen, wie ein Hof mit 36 Kühen bestehen kann, ohne dass diese Rinder zum wirtschaftlichen Zwecke, genutzt werden.

Sie sehen wie der Hof sich weiterentwickelt und verstehen nicht, dass es tatsächlich Menschen gibt, die uns finanziell und moralisch unterstützen, ohne Milch, Eier oder Fleisch dafür zu bekommen.

Glücklicherweise gibt es aber auch positives Feedback aus dem Umfeld.
Vielen Menschen ist aus eigener Erfahrung bewusst, dass die Bauern nicht sehr liebevoll mit ihren Tieren umgehen.
Wenn sie den Hof betreten spüren sie, dass hier die Idylle herrscht, welche auf den Milchverpackungen suggeriert wird.
So sollten Tiere miteinander leben dürfen. Sie verstehen dann, dass dies nur möglich ist, wenn die Menschen lernen sich von den Tierprodukten abzuwenden.

5. Bietet Ihr Schulausflüge o.ä. an, um Kindern z.B die Möglichkeit zu geben, mit dem Thema Tier schon frühzeitig sensibilisiert zu werden? Was denkt ihr, wie wichtig so eine frühkindliche Erfahrung mit Tieren ist?

– Schulausflüge bieten wir bewusst nicht an.
Wir wollen, dass die Tiere hier in Ruhe und Frieden leben.
Ständiger Publikumsverkehr würde viel Unruhe mit sich bringen.
Es gibt einige Tiere, welche die Aufmerksamkeit der Menschen genießen – Prinz Lui zum Beispiel. Aber die gehören einer Minderheit an.

Die Meisten wollen doch lieber für sich sein. Aufklärung und Sensibilisierung wollen wir durch unsere Videos und Bilder erreichen, welche ziemlichen Anklang im Netz finden, auch über nationale Grenzen hinaus.

Es haben sich auch schon Lehrer bei uns gemeldet, welche Videos von Hof Butenland ihren Schülern gezeigt haben.
Wir denken frühkindliche Erfahrungen mit Tieren dürfen nicht unterschätzt werden. Allerdings liegt viel in den Händen der Eltern.
Ein Besuch auf Hof Butenland wird nicht ausreichen, um eine neue Generation von mitfühlenden Menschen zu schaffen.
Wenn dieses Mitgefühl durch Kontakt zu Tieren entstehen soll, dann braucht das Zeit.
Ein Hund aus dem Tierheim, mit welchem die Kinder aufwachsen, kann da wesentlich mehr bewirken als ein einziger Besuch bei uns.

Bei den Eltern liegt es dann, den Kindern klar zu machen, dass Kühe, Schweine, Hühner usw. genauso empfindsame Lebewesen sind, wie der Hund, welcher als vollständiges Familienmitglied anerkannt wird.

6. Zum Abschluss: Möchtet Ihr noch einen kleinen Aufruf starten?
Wie kann man Euch und den Hof unterstützen, was benötigt Ihr, besonders jetzt, im Winter?

– Im Winter benötigen wir vor allem mildes Wetter!
Das liegt jedoch, zugegeben glücklicherweise, nicht in Menschenhand.
Noch können wir uns diesen Winter aber kaum beschweren und wir hoffen das bleibt auch so! Wer uns unterstützen möchte, kann gerne eine Patenschaft übernehmen oder eine Spende tätigen.

Dies kann bequem auf unserer Website vorgenommen werden:
www.stiftung-fuer-tierschutz.de

Auch auf Facebook sind wir vertreten, wo täglich die bereits erwähnten Videos und Bilder gepostet werden: www.facebook.com/hofbutenland
Schaut doch einfach mal vorbei!

Wie gefällt Dir das Konzept der Tierschutzstiftung Butenland? Erzähl mal! 😉

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