Erwachsenwerden? Nö, weiterschaukeln!

weiterschaukeln

Hallo liebe Interessierten,

es war lange meine Wunschvorstellung spätestens mit 30 ein kleines Haus zu besitzen, idyllisch und ruhig, umgeben von Wiesen und Feldern … und Kühen. 😉
Ich mag die Weite, den Duft von frisch gemähtem Gras und ausgiebige Spaziergänge in der Morgendämmerung.
Ich mag es, mich hin und wieder zurückziehen zu können und ganz für mich zu sein und empfand das Leben in meiner Heimatstadt Berlin oftmals als zu hektisch und laut.

Ich werde dieses Jahr 36, in Worten: SECHSUNDDREIßIG, und man sollte meinen, dass man in dem Alter zumindest mal mit der Zukunftsplanung begonnen, wenn nicht sogar abgeschlossen hat.
Ich weiß, dass sich meine Omi ein Enkelchen wünscht und beruhigter schlafen würde, wenn ich bereits eine Immobilie mein Eigen nennen könnte.

– „Altersvorsorge ist so wichtig.“
– „Ich weiß, Omi.“

Statt dessen sorge ich regelmäßig für hochgezogene Augenbrauen, wenn ich sie wieder einmal wenig angepasst, in Dr. Martens und destroyed Jeans gekleidet, zum Essen begleite und quasi nichts von dem erreicht habe, was ihrer Wunschvorstellung von einem bürgerlichen Leben entspricht.
Nicht falsch verstehen… meine Omi ist die kuhlste 82 Jährige, die ich kenne, aber sie hat eben- wie viele Eltern und Großeltern- gewisse Erwartungen meine Zukunft betreffend. 😉

2005 zog ich von Berlin nach Hessen.
Zuerst nach Frankfurt, dann zog es mich immer südlicher, bis ich einige Jahre später unweit an der Grenze zu Bayern lebte. Dort hatte ich im Grunde genau das, was lange mein Wunsch war.
Ein gemietetes Häuschen mit Garten, umgeben von Wiesen und Feldern und einen gut bezahlten Job in einem großen Unternehmen.

Wenn ich tief in mich gehe, bin ich dort aber nie richtig warm geworden.
Das letzte Jahr in Hessen befand ich mich in einer Identifikationskrise, hatte unglaubliches „Heimweh“ und wollte einfach nur irgendwo ankommen und mich zuhause fühlen.
Ich spürte immer mehr, dass es nicht das ist, was ich will. Nicht jetzt.

Ich schmiss meinen Job und gab die damit verbundene finanzielle Sicherheit gegen jeden Ratschlag auf.
Klar ist Geld notwendig, um über die Runden zu kommen, aber es ist eben nicht alles.
Und wenn ich das Gefühl habe auf der Stelle zu treten und mit dem was ich tagtäglich tue nicht glücklich bin, muss ich etwas ändern, denn das Leben ist zu kurz dafür.

weiterschaukeln

2015 habe ich innerhalb von 5 Monaten einen Neustart gewagt, lebe nun seit einem Jahr -deutlich knappkassiger but so matsch häppy- in Leipzig und arbeite für eine kleine IT Firma.
Dieser Umzug war eine der besten und radikalsten Entscheidungen, die ich getroffen habe.

Durch jeden Neuanfang eröffnen sich neue Perspektiven.
Ich habe wahnsinnig tolle Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen.
Ich bin wieder maximal aktiv, die Tage sind meist verplant.

Verantwortung zu übernehmen ist das eine, aber bin ich deswegen weniger erwachsen, weil ich momentan frei sein und möglichst viel nachholen möchte, was ich durch das Landleben in den letzten Jahren verpasst habe?
Ich möchte bis in die Puppen feiern, nachts betrunken schaukeln gehen und spontan in eine andere Stadt reisen, weil ich gerade Lust dazu habe.
Ich möchte mir keine Gedanken darüber machen, ob ich in „meinem Alter“ noch kaputte Hosen und orangefarbene Haare tragen darf, mich tätowieren lasse und meine Abende bereits mit diversen Verabredungen und Feiereien verplant habe.
Da ist einfach noch so viel, was ich sehen und erleben will.

Ich möchte nicht bis zur Rente einen unliebsamen Job ausüben, nur weil er finanzielle Sicherheit verspricht.
Ich möchte jetzt weder 2 Kinder bekommen noch in eine Immobilie investieren.
Viele in meinem Alter streben genau das an, aber ich sehne mich nach einem anderen Lebensstil. Und das ist vollkommen Ok.
Wenn sich mein Wunsch danach in ein paar Jahren ändert und die Gegebenheiten passen, dann ergibt sich das meist eh von ganz allein.

Die Gesellschaft und unser Umfeld prägen uns, genauso wie unsere Vergangenheit.
Doch nicht das Alter oder Maßstäbe anderer sind entscheidend, wie ich mein Leben gestalte, sondern wonach mir der Sinn steht.
Wenn ich die Möglichkeit dazu habe, dann höre ich auf mein Herz.
Für mich bedeutet das Glück und Freiheit … oder: Erwachsenwerden geht auch noch morgen.

“Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.”

Und Du so? Schon erwachsen oder noch am Schaukeln? Erzähl mal! 😉 

mka

2 thoughts on “Erwachsenwerden? Nö, weiterschaukeln!

  1. Völlig richtig und wichtig dass das mal gesagt wird!
    Wenn man 29 wird und rundherum alle Freunde anfangen zu heiraten, Kinder zu kriegen, feste Jobs oder sogar eigene Läden haben dann fängt man an sich Gedanken zu machen ob man nicht doch langsam mal zum geregelten Lebenswandel übergehen sollte. Sogar meine Langzeit-studierende Schwester wird jetzt sesshaft womit nie jemand wirklich gerechnet hätte. Aber ich hab einfach noch keine Lust auf dieses Leben, ich will meine Freiheit weiter genießen, morgens ausschlafen und abends weggehen können. Dafür geht man dann nur halbtags arbeiten und gibt sich mit weniger Geld zufrieden. Aber man ist ungebunden und kann jederzeit sein leben ändern wie man gern möchte.
    Danke für den Artikel, tut echt gut sowas mal wieder zu lesen

    1. Hey Tom :-),

      ich finds sehr schön, wenn Menschen sich wegen ihres Alters nicht verrückt machen.
      Es ist eben nur eine Zahl und sagt so unglaublich wenig über jemanden aus. 😉

      Ich will gar nicht abstreiten, dass ich über mögliche Konsequenzen eher nachdenke, über die ich vielleicht vor einigen Jahren nicht nachgedacht und bestimmte Dinge einfach gemacht hätte.
      Ab einem bestimmten Alter fällen wir meistens dann doch reifere Entscheidungen, auch wenn sie sich nicht so anfühlen. 🙂

      Kuhle Grüße!

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