Don`t lose who you are

Hallo liebe Interessierten,

sicher hat jeder von uns schon bestimmte Situationen erlebt, die mit Anstrengungen verbunden waren.
Wenn sich jede Menge Arschlochgefühle in uns sammeln, die einfach mal ausgesprochen werden wollen oder gar sollten, damit sie uns nicht innerlich vergiften.

Im Leben widerfahren uns manchmal Dinge, die wahnsinnig an den Nerven, und nicht zuletzt an den Kräften, zehren.
Seien es traumatische Erlebnisse, Stress, Lebenskrisen und/oder eine problematische Kindheit. 
Mit einer spielenden Leichtigkeit und einem Schulterzucken bewältigen die einen diese Last, zumindest scheinbar, während andere in ein tiefes Loch fallen, aus dem sie ohne fremde Hilfe nicht mehr herauskommen.

In den letzten Jahren scheint es fast schon „normal“  geworden zu sein, keine Schwächen zu zeigen respektive nicht zuzugeben, wenn man am Limit ist.

Das stinkt nicht nur zum Himmel, sondern funktioniert auch nur eine gewisse Zeit lang.

Und wenn Du merkst, es geht nichts mehr…

… dann wird es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen.

Anstatt ein anhaltendes seelisches Leiden und das Chaos im Kopf konsequent zu ignorieren, sollten wir viel öfter tief in uns hineinhorchen und uns begreiflich machen, dass es sich nicht um “ein bißchen schlechte Laune” handelt, sondern mit sichtbaren Erkrankungen gleichzusetzen ist, die JEDEM von uns widerfahren können.

Als eine Krankheit die man ganz selbstverständlich äußern kann, wie chronischer Reizhusten oder Angina, bei welchen man gute Besserung gewünscht und keine lapidaren Tipps wie „Dann musst Du einfach mal öfter positiv denken“ bekommt.
Bei der man keine peinliche Stille erwarten muss oder der Blick nicht erwidert wird, da die Gedanken verborgen bleiben sollen.

Und, obwohl ich es für enorm wichtig halte darüber zu sprechen, fällt es mir schwer diesen Artikel zu veröffentlichen.

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Auf meiner Schulter sitzen also zwei Kühe.
Die eine Kuh ist sehr freundlich, empathisch und sozial engagiert, aka Gut-Kuh, die andere Kuh, mein alter Ego <Emotionsochse>, ist für meine Diagnose und die mir selbst auferlegte Notbremse verantwortlich.

„STOP! Ich kann nicht mehr. Ich verletze mit meinem Verhalten nicht nur mich selbst, sondern auch Menschen, die mir wichtig sind!“

Diese Worte hallten lang nach und es erklang lediglich ein Echo in einem großen Raum, der komplett leer war.
Wenn ich nun zurück blicke, habe ich viel zu lang gewartet, diesen Schritt zu gehen und mir einzugestehen, dass etwas in mir gewaltig schief läuft.

Ich wurde über Jahre ziemlich gut darin, alles Tod zu grübeln und meine Gedanken in Dauerschleife abspulen zu lassen, ohne zu einem vernünftigen Resultat zu gelangen… Aus Gründen.
Ich wurde gut darin, mir eine Schutzmauer aus Stahl aufzubauen und oftmals sehr distanziert zu sein… insbesondere dann, wenn ich wieder diese Wut oder Angst empfand.
Man könnte mich schließlich verletzen oder bemerken, dass ich verletzlich und angreifbar bin.

Erste Ängste und Panikattacken traten bereits in meiner frühesten Jugend auf. Mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt, aber immer irgendwie präsent.
Einen größeren Zusammenbruch erlitt ich jedoch 2007.
Ich arbeitete damals als Managerin für die Onlinekommunikation in einem bekannten Unternehmen und hey… in solch einer Position hat man stets zu funktionieren, muss jede Menge Durchsetzungsvermögen und Rückgrat besitzen.
Einen Arbeitstag ohne Überstunden zu absolvieren war utopisch.
Ich will nicht leugnen, dass mein Gehalt überdurchschnittlich gut war, hinzu kamen Boni, Weihnachtsgeld etc., nur was nützt all das, wenn man sich dem nicht gewachsen fühlt? Genau das habe ich geglaubt und dafür habe ich mich geschämt.
Ich war stets mit dem Gedanken „nicht gut genug zu sein“ beschäftigt. Ich dachte ich müsse noch mehr können und wissen, erst dann würde man mich in dieser Position ernst nehmen.
Ich habe mich geschämt „schwach“ zu sein und „versagt“ zu haben.
So verließ ich das Unternehmen nach langer Krankheitsphase und damit häufig wiederkehrenden Fehlzeiten… ironischerweise mit einem sehr guten Zeugnis …

Ich möchte bewusst nicht auf die Auslöser, den exakten Verlauf und die Details meiner Krankheit eingehen,  da dies den Rahmen des Artikels sprengen würde.
Kumuliert ist dort, grob ausgedrückt, ein großer Müllberg in mir, der beseitigt werden möchte… und das dauert… nicht nur wenige Wochen oder Monate.

Meine Diagnose war eine Befreiung! Die ständige Frage, was denn mit mir nicht stimme, bekam endlich eine Antwort.
Ergo: Ich bin eine „bekloppte“ Kuh… ziemlich sogar… aber es ist zum Glück nichts mehr, woran ich nicht arbeiten kann und das ist doch durchaus positiv.

Meinen Befund, aber auch den Suizid von vielen Betroffenen, nahm ich als Anlass, um mich intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen.
Ich habe den Wunsch und stelle mir zudem die Frage, ob man solche schwerwiegenden Ausmaße verhindern oder zumindest minimieren könnte, wenn man psychischen Erkrankungen, sei es nun Depressionen, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen, mehr Aufmerksamkeit schenkt, verstärkt informiert, um sie ein Stück weit aus der Tabuisierung hinauszubewegen.

Aus dem Grund schreibe ich diesen Artikel.
Nicht, weil ich es geil finde, mich derart emotional und nackich zu präsentieren oder weil ich auf die Tränendrüse drücken möchte, ganz im Gegenteil.
Ich hoffe, dass ich damit in irgendeiner Art und Weise ausdrücken kann: „Hey, Du bist nicht allein! Teile Dich mit und such Dir Hilfe, wenn es Deiner Seele nicht gut geht. Dies ist keine Schwäche.
Sei umsichtig mit Dir und pass auf Dich auf. Gesundheit ist unser höchstes Gut.“

Psychische Erkrankungen und Selbstliebe

Ich war, und bin es auch heute noch, sehr darum bemüht, dass es allen anderen gut geht und missachtete meine eigenen Bedürfnisse.
Ich habe lange versucht es immer allen recht zu machen und habe mich von der Meinung anderer verrückt machen lassen.
Ich erlaubte mir keine Schwächen und die Schuld für vermeintliche Fehler suchte ich ausschließlich bei mir selbst.
Mittlerweile bin ich mir im Klaren darüber,  dass das so nicht funktioniert und mich wahnsinnig auslaugt.
Dies bedeutet im nächsten Step, dass ich mich selber verstehen und (be-)achten lerne und einen Umgang mit mir entwickle, der mich stärkt.

Wenn es heute etwas in meinem Leben gibt, was mich immerzu unglücklich statt glücklich macht, dann ziehe ich schneller die Reißleine.
Jedenfalls nehme ich es mir vor.
Ich befinde mich in einem Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist.
Ich sehe den Weg vor mir, die Lösung scheint auch bekannt und greifbar, aber wie sagt man so schön: „Der Weg ist das Ziel“.
Die Erfahrungen auf diesem Weg prägen und verändern einen Menschen.
Ich bin am Anfang einer langen Reise und jeder Schritt wird mich etwas weiter bringen.
Das Wichtigste, der Anfang ist getan.

Ein Auszug aus einem Gedicht von Charlie Chaplin:

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit
was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das “gesunden Egoismus”,
aber heute weiß ich, das ist “Selbstliebe”.

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Es mag für den „normalen Menschen“ absurd erscheinen, aber wenn ich Beiträge von Betroffenen, wie z.B. Madlen Boheme lese, oder jemanden mit einer ähnlichen Diagnose kennenlerne, dann ist das für mich fast eine Erleichterung, weil ich weiß, dass ich nicht alleine bin.
Da gibt es noch viel mehr Menschen, denen es ähnlich geht. Die mich verstehen, ohne dass ich mich großartig erklären muss. Denn genau das ist der Punkt:

Man versteht teilweise selbst nicht, was da im eigenen Kopf passiert respektive „schief läuft“, wie soll man dies jemanden nahe bringen, der selbst nicht betroffen ist?

Das Schlimmste daran ist für mich persönlich, dass Menschen, die mir wichtig sind, mich so sehen… Sehen, wie ich einen inneren Kampf gegen mich selbst führe und einfach nicht wissen, wie sie mir helfen können.
Manchmal genügt aber auch einfach nur die Gewissheit, „dass sie da sind.“ 😉

Mit dem Gedanken lächel ich, denn ich kann mich glücklich schätzen, solche Menschen um mich zu haben.
Aber auch, weil ich mittlerweile besser mit der Diagnose umgehen kann… weil ich beginne mehr und mehr aufzuarbeiten und zu verstehen. Und das ist immens wichtig.

Danke fürs Lesen. 😉

mka

7 thoughts on “Don`t lose who you are

  1. Ich finde es immer so toll, wenn Leute so offen über solche Themen sprechen. Einfach weil man sich, wie du schon sagst, weniger allein fühlt.
    Mich macht es immer wieder traurig, wenn ich Menschen sehe, mit so viel potential, die aber leiden, weil sie sich aus irgendwelchen Gründen nicht professionelle Hilfe nehmen wollen. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen und man muss für sich selbst entscheiden, was das Beste ist, aber ich glaube, wenn viel mehr Menschen offen über solche Dinge sprechen würden und es weniger als Tabuthema gelten würde, könnte noch viel mehr Menschen geholfen werden (was natürlich auch noch helfen würde, wären Wartelisten, die nicht 2 Jahre lang sind, so wie hier z.B.).
    Danke dir in jedem Fall für’s Teilen deiner Gedanken! 🙂

    1. Danke Dir für Deine lieben Worte! 🙂
      Das ist der Punkt, den ich auch als so wichtig empfinde: Man muss darüber sprechen und das Thema als solches behandeln, was es letztendlich ist: Eine Krankheit, die jeden treffen kann.
      Jetzt wo der erste Schritt in die „Öffentlichkeit“ getan ist, möchte ich auch sehr gerne mehr darüber berichten. 🙂

      Bei Euch kommt man auf eine 2 Jährige Warteliste, um einen Therapieplatz zu bekommen?

      1. Jab, zu meinem meiner Tiefpunkte habe ich es Mal versucht. Ich habe/ hatte kleine Problemchen mit Angst und nachdem ich mich nach 3 Jahren mal dazu durchgerungen habe mich auf eine Warteliste setzen zu lassen (ich habe ein Online Portal gefunden, wo das möglich war ^^‘), bekam ich 1 Woche später einen Anruf, dass die Wartezeit derzeit ca. 2 Jahre lang ist und ich mich alle 4 Monate telefonisch melden müsste, um meinen Wunsch auf der Liste zu bleiben zu bestätigen. Das ist nicht passiert ;)…
        Eine Freundin von mir arbeitet ebenfalls als Psychotherapeutin und auch bei ihr sind die Wartezeiten so lang… Kleinstadtprobleme 😉
        Teresa kürzlich veröffentlicht…What I Ate Wednesday – Pasta Pasta PastaMy Profile

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