Das Problem heißt nicht Sachsen

Hallo liebe Interessierten,

es fällt mir schwer, meine Gedanken zu ordnen.
Fassung zu bewahren und mich nicht eines Vokabulars zu bedienen, der meiner unendlichen Wut über die derzeit angespannte Lage Ausdruck verleiht.
Im nächsten Moment entscheide ich mich um, denn genau diese Wut will ich niederschreiben, um die vielen sprudelnden Worte in meinem Kopf auf den Punkt zu bringen.

Wut über die Empathielosigkeit, den Egoismus und das wachsende Arschloch-Verhalten vieler Menschen.
Wut über einen Teil der Gesellschaft, der noch immer mit den Worten „Eigentlich hab ich nichts gegen Ausländer, aber…“ skandiert.
Wut über den Rechtsstaat, der dabei zusieht, wenn der rechte Arm gestreckt, die Reichsflagge geschwenkt oder traumatisierte Menschen mit grölenden Hass-Parolen verängstigt werden.
Wut über die Medien, die der AFD und Co tagein tagaus eine Bühne bieten. Man will schließlich seine Nachrichten verkaufen, und nur was polarisiert, verkauft sich heutzutage gut.
Wut über die Verantwortlichen, die die Situation ändern könnten und sich für ein menschenunwürdiges Handeln entschieden haben, damit sie bei der nächsten Wahl gut abschneiden.

BERLIN

Es ist ein sonniger Nachmittag, als ich die belebte Schloßstraße entlang laufe. Es ist the Day before, der Countdown läuft, es ist der Tag vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern.
Ich will meine Familie besuchen und freue mich, seit langem mal wieder in meiner Mudderstadt zu sein.
In unmittelbarer Nähe nehme ich einen Obdachlosen wahr vor dem sich, fast schon bedrohlich nah, ein Paar mittleren Alters positioniert.
Mit hochrotem Kopf zeigt der männliche Part ungeniert auf den Obdachlosen und beginnt lautstark zu krakeelen:“ Genau SOLCHE Asylbewerber brauchen wir hier, die sich auf Kosten der Steuerzähler nen schönen Lenz machen… Uns schenkt auch keiner was! Faules Pack!“ und „Hoffentlich wird die AFD in Meckpom stärkste Partei.
Die Frau bestätigt ihn wild gestikulierend:“ACH! Nich nur da, auch in Berlin werden die gewinnen! Nur so funktioniert das in unserem Land, sonst geht bald alles den Bach runter!“

Mein Herz blutet als ich in das verstörte Gesicht des Mannes am Boden blicke. Ich gehe zu ihm, werfe ein paar Euro in seinen Plastikbecher und zische den beiden AFD-Sympathisanten ein angewidertes „Schämt Euch“ zu.
Der Obdachlose lächelt mich an und wünscht mir einen schönen Tag, welchen ich erwidere und dabei in die zornigen Gesichter des Paares schaue. Stille.

Es ist so dermaßen unerheblich, ob es sich bei ihm um einen in Deutschland geborenen Menschen oder um einen Asylbewerber handelt.
Jetzt nehmen die uns auch noch Platz auf dem Bürgersteig weg!
Woher wussten diese Wutbürger eigentlich, dass er ein Asylsuchender war? Der hatte schwarze Haare… Achso …

Die Tatsache, dass ich mich gerade in Berlin und nicht im oftmals bezeichneten braunen Sachsensumpf befinde, macht mich fassungslos.

SACHSEN

Ich möchte gar nicht viele Worte darüber verlieren, was kürzlich in Bautzen oder in Dresden schief gelaufen ist und weiterhin seine Schatten wirft.
Die vor lauter Hass zerfressenen Gesichter  im folgenden Video sprechen für sich.


Es ist doch aber so einfach zu pauschalisieren: Geflüchtete und Migranten sind fanatische Extremisten, deren Wurzeln in muslimisch geprägten Ländern liegen und alle, die sich für Demokratie und Menschenrechte stark machen, werden als linksversiffte Dreckviecher aka Judensäue betitelt.

Wirklich, mir fällt es schwer, solche Bilder zu betrachten und nicht mit Schimpfwörtern um mich zu werfen … Ich schwanke zwischen Aggression und Hilflosigkeit. Ist beides ein beklemmendes Gefühl.

Es liegt mir fern, ein Bundesland und deren Einwohner pauschal als dumm zu bezeichnen, denn damit würde man sich gleicher Vorurteile bedienen, wie man sie Rassisten zurecht vorwirft.

Bildung, gesellschaftliche Umstände, Chancen können Unterschiede ausmachen.
Und diesbezüglich ist so viel schief gelaufen, dass wir nun solch ein Ergebnis haben.

Dennoch:

Niemand verdient Toleranz, der traumatisierten Menschen den Tod wünscht, sie als „Viehzeug“ herabwürdigt, nur weil man anscheinend ein Feindbild braucht, um seine scheiß egoistische Ader auszuleben oder mit sich selbst nicht im Reinen ist.
Kein Mensch, der klar bei Verstand ist und diesen einzusetzen weiß, spricht anderen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und den Schutz, um überleben zu können, ab!

Ich nehme mir heraus, diese gröhlende Ansammlung von Fleisch,  als geistige Brandstifter sowie als „weit von der intellektuellen Spitze entfernt“ zu bezeichnen. Egal ob nun moralisch oder kognitiv!
Denn genau diese Mitläufer, ob sie nun in der Lage sind ein Parteiprogramm zu verstehen oder nicht, sind allesamt Teil eines latent ausländerfeindlichen großen Ganzen in Deutschland, der mit Hass schürenden Vorurteilen und Ängsten dafür sorgt, dass immer mehr menschenunwürdige Hetze betrieben wird.

Nazis sind Nazis sind Nazis und werden von mir auch als solche betrachtet und bezeichnet.
Dabei ist es völlig unerheblich, ob sie aus dem Osten oder Westen kommen, eine schlechte Kindheit oder schlechte Bildung genossen, nen kleinen Penis oder einen schwachen Charakter haben.

Ich möchte auch die stillschweigenden Nichtwähler nicht unerwähnt lassen. Egal, ob man das Establishment nicht unterstützen will, weil man kein Interesse für Politik hat, oder meint das dieses Land, in dem man -bis auf 6 Wochen im Jahr- sein Leben verbringt, nicht seine Heimat wäre…
Wer nicht wählen geht, ermöglicht den Rechten mehr Prozentanteile, mehr Sitze und somit mehr Einfluß. Nachvollziehbar, oder?

Um es jedoch positiv abzuschließen, denn man kann gewiss etwas aus der aktuellen Situation lernen:

1. dass man niemanden eine Plattform für braune Parolen bieten,  2. sich gegen Hetze, Bedrohungen etc. zur Wehr setzen und eben diese melden und zur Anzeige bringen sollte,
3. und wir, die den Rassismus verurteilen, Solidarität mit den darunter leidenden Menschen zeigen müssen!
Ob man letztlich dafür an einer Gegendemo teilnimmt, sich in Flüchtlingsheimen engagiert oder aufsteht, um Schwächere zu verteidigen, soll jeder für sich selbst entscheiden.

Nur bitte schaut nicht weg, weil ihr meint, nichts bewegen zu können… sonst fließt dieser Hass bald wie eine braune Schlammlawine durch die Welt, zerstört Buntes & erstickt alles Lebendige.
Mund aufmachen, jedes Projekt, jeder Artikel, jedes Kreuz etc. ist eine wichtige Stimme in einer Gesamtheit.
Danke! ❤

Gegen Rassismus

3 thoughts on “Das Problem heißt nicht Sachsen

  1. Schöner Text. Leider wissen die wenigsten Menschen, dass die größten Nazis im Bundestags sitzen. Nicht nur bei der Afd sondern auch bei der CDU, SPD, Grüne, FDÜ usw…überall dort, wo Kriegseinsätze für die angebliche Verteidigung der Menschenrechte befürwortet werden. Überall wo nicht über die völkerrechtswidrigen Militäreinsätze und Drohnenangriffe aus Deutschland heraus berichtet wird. Überall wo Terrorismus-Opfer nicht in den Schlagzeilen landen, weil die Anschläge nicht in den westlichen Staaten stattfanden. Kaum ein Mensch hat die Zeit sich darüber zu informieren wie Terrorismus und Armut entstanden sind. Ein großartiges Buch dazu ist „Economic Hitman“ von Perkins. Wer wirklich wissen will, was auf unserer Erde los ist könnte bei diesem Buch beginnen. Jeder kennt den Satz „Der Wohlstand unserer Gesellschaft baut auf der Ausbeutung der 3. Welt auf.“, weiß aber gar nicht genau wie die Zusammenhänge sind. Kaum einer ahnt wie weit mächtige Menschen bereit sind zu gehen, um ihren Wohlstand zu erhalten. Dabei werden Ressourcen ausgebeutet, Kriege geführt, Regierungen gestürzt und Terroristen finanziert. Kein Wort über diese Zusammenhänge in unseren Nachrichten. Und dann wird die Friedensbewegung, die solche Zusammenhänge aufzeigt medial in die rechte Ecke gestellt, damit ihnen keiner zuhört. Wenn die Menschen begreifen würden woher der unsägliche Hass und das Leid kommen, die Menschen zu Terroristen machen, würden sie sich dafür schämen dieser Gesellschaft anzugehören. Sie würden Friedensorganisationen beitreten statt Afd, CDU, SPD, Grüne oder sonstige Parteien zu wählen, die die Ausbeutung der Welt voran treiben.

    Grüße von Herzen
    Sabrina

  2. Gut das Du die Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Hetze der AfD und seiner „Anhänger“ aufzeigst.
    Das ist es nämlich wofür diese Partei steht und andere Themen hat sie nicht.
    Danke

  3. Gutes Statement, danke dafür!
    diese ganzen „Ich bin kein Nazi, aber…“ Facebookposts häufen sich.
    Mir macht diese Entwicklung mittlerweile wirklich Angst.

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