Als er ging – Mein Hund Balu

Hallo liebe Interessierten,

ich habe ein wenig überlegt, bevor ich mich entschied, diesen privaten Beitrag zu veröffentlichen.
Passt er auf einen Fitness-/Vegan-Blog? Interessiert das überhaupt jemanden? Wollte ich mich doch wieder etwas mehr dem Sport widmen …

Dann habe ich festgestellt, dass es mir sehr bei meiner Trauer hilft meine Gedanken und Gefühle niederzuschreiben, aber auch die Erfahrungen anderer zu lesen.
Und vielleicht sind da draußen Menschen, denen es genauso geht …

Die Diagnose 

Trotz wochenlanger Medikation war keine Besserung in Sicht.
Endoskopie und CT wurden unumgänglich und daher entschied ich mich schweren Herzens, meinen Hund Balu mit 17 Jahren noch einmal in Narkose legen zu lassen.
Bei der Untersuchung kam heraus, dass sich eine großflächige und hartnäckige Entzündung im gesamten Nasen- und Kieferbereich festgesetzt hatte.
Ich wollte ihm die Schmerzen nehmen und ihn von den Strapazen der letzten Wochen befreien.

Die Tatsache, dass er schon immer ein Kämpfer und sein letztes Blutbild ansonsten unauffällig war, bestärken mich in meiner Entscheidung, es wenigstens zu versuchen.

30.1. Tag der OP

Aufgrund der Narkoselänge durch die vorangegangen Untersuchungen, wird die Operation vorzeitig beendet.
Die Entzündung solle weiter mit Medikamenten unter Kontrolle gehalten werden, bis eine erneute OP möglich ist.
Da Balu in der Narkose nicht stabil ist und eine lange Nachschlafphase hat, beschließt die Ärztin ihn eine Nacht unter Beobachtung in der Klinik zu behalten.

Er braucht vier Tage, um sich einigermaßen zu erholen.
Am Freitag, den 3.2. hat er das erste Mal wieder gesunden Appetit und ich die Hoffnung, dass es bergauf geht.

In der Nacht auf den 9.2. wirkt er plötzlich apathisch und zittert. Zusätzlich hat er Phasen, in welchen er panisch versucht wegzulaufen, aber er hat keine Kraft, ist unkoordiniert und findet keinen Halt.
Auf Nachfragen in der Klinik wird empfohlen, Fieber zu messen und es mit einer Dosis Novalgin zu versuchen.

9.2. Tag der Entscheidung

Balu geht es weiterhin schlecht.
Er bekommt eine Infusion und es werden mehrere Untersuchungen vorgenommen.

Diagnose:

– Trachealkollaps
– Lungenentzündung
– zwei Umfangsvergrößerungen in der Milz

und noch andere „Kleinigkeiten“, die im Grunde nicht mehr wirklich ins Gewicht fallen.

Er bleibt bis zum Abend beim Tierarzt, dann darf ich ihn mit nachhause nehmen.
Die Tierärztin rät dazu, den Fokus respektive die Medikation auf die Lungenentzündung zu setzen, da er eine erneute Narkose unter diesen Umständen höchstwahrscheinlich nicht überleben würde.
Sollte sich sein Zustand über Nacht stabilisieren, könne man beraten, wie weiter verfahren wird, aber in dem Moment verstand ich, dass jede weitere Behandlung nur noch einem Hinauszögern gleichkäme.

Selbstständig laufen funktioniert für eine kurze Zeit in der Praxis. Zuhause kann er sich nicht mehr auf den Beinen halten.

10.2.2017  Der Abschied

Ich liege die ganze Nacht wach und kümmere mich um ihm. Ich habe ihn auf meine Brust gelegt, wenn er unruhig wurde, seine Lefzen mit Wasser befeuchtet und ihn beim Laufen unterstützt, wenn er versucht hat aufzustehen.
Er ist ganz nah bei mir. Ich streichele ihn.
Er hat große Probleme beim Atmen. Hechelt immer wieder angestrengt, muss dabei aufstehen. Ich beruhige ihn und säubere vorsichtig seine Nase.
Dann findet er ein paar Minuten Ruhe und schläft ein wenig.

Ich weiß, mein Hund wird sterben. Vielleicht noch einige Tage überleben, viele Wochen jedoch nicht mehr.
Sein Gesamtzustand und die Tatsache, dass er noch einmal in Narkose gelegt werden müsste, führen dazu diese Scheißentscheidung zu fällen.
Bevor wir zum Tierarzt fahren, noch mal der Versuch ob er laufen oder etwas trinken möchte. Keine Chance, er kann nicht stehen. Seine Beine geben nach und ich muss, wie so oft in den letzten Tagen, weinen.

Den Venenzugang hatte die Ärztin bereits am Vortag für die Infusion gelegt und für den Fall, dass wir ihn erlösen, vorsorglich drin gelassen.
So kann der Tierarzt ihm die Spritze direkt geben.

Balu liegt in seinem Lieblingskörbchen. Ich habe mich vor diesem Ablauf informiert und mir noch einmal alles genau erklären lassen.
Ich versuche die letzten Minuten nicht zu weinen. Er soll keine Angst haben.
Der Tierarzt schaut mich an. Ich nicke.
Balu sinkt in seinem Körbchen zusammen, die Atmung wird von Sekunde zu Sekunde ruhiger. Meine Hand liegt auf seinem Rücken, meine Beine werden schwach, ich bekomme schlecht Luft und habe Angst umzukippen. Ich muss mich wegdrehen und weine wie seit langem nicht mehr.

Kein Atem mehr zu fühlen. Der Tierarzt untersucht ihn. Balu ist tod.
Es ging ganz schnell, ganz friedlich.
Oft liest man als Folge einer Euthanasie vom letzten schweren Atemzug, den ein Hund macht, oder von auftretenden Krämpfen und eventuellen Ausscheidungen, die der Körper nicht mehr kontrollieren kann.
Er ist einfach ruhig eingeschlafen.

Als ich ihn ein letztes Mal ansehe, ist sein Blick leer. Wie betäubt habe ich in dem Moment nur noch einen Gedanken: Das ist nicht mein Hund.

Ich bin ziemlich durch und habe für den Rest des Tages nur noch einen Wunsch: Bettdecke über den Kopf und nichts und Niemanden hören oder sehen.
Balu ist nicht mehr da und fehlt überall.
Ich spüre ihn, aber sehe ihn nicht mehr.

In letzter Zeit war er sehr unselbstständig, also musste man bei jedem Vorhaben, sogar bei den kleinsten Dingen, auf ihn Rücksicht nehmen.
Es entwickelten sich Automatismen: Das Treppenschutzgitter einrasten, nach hinten auf den Boden schauen, da er sich immer recht dicht und unbemerkt an meine Füße stellte, weil er nicht mehr so gut sehen konnte.
Ihn die Treppen rauf und runter tragen …
All diese Dinge macht man immer noch oder hat es vor, bis man dann merkt …

Die Bestattung

Einige Tage vor Balus Tod war ich viel im Internet unterwegs.
Dabei ist meine Entscheidung gefallen, ihn verbrennen zu lassen und danach mit nachhause zu nehmen.
Ich glaube, es ist wichtig, sich auf solch einen Fall vorzubereiten, um nicht in diesem schweren Moment mit einer weiteren Entscheidung konfrontiert werden zu müssen.
Es gibt in Leipzig (aber auch in anderen Städten) das Tierkrematorium im Rosengarten.
Die kümmern sich um die Abholung beim Tierarzt und alle weiteren Abläufe.
Auf meine Bitte und Nachfrage hin, schneiden sie mir vor der Einzelkremierung eine Strähne von seinem wunderschönen, weichen Fell ab.

Umgang mit der Trauer 

Schreiben … Neben diesem Beitrag, habe ich mir auch offline alles von der Seele geschrieben.
Dinge, die ich nicht veröffentlichen wollte und Erinnerungen, die nur für mich sind.
Aber auch Zweifel: Hätte ich ihm nicht doch noch irgendwie helfen können? Aber ich weiß, dass ich alles für ihn getan habe, was möglich war.

Darüber sprechen hilft.
Die tiefe Bindung und die Trauer über den Verlust kann meist jedoch nur nachvollziehen, wer selbst ein Tier hat.

Ich schaue mir immer wieder Bilder und Videos von ihm an. Einfach ist es nicht. Erinnerungen fluten meinen Kopf, lustige Erlebnisse, ich muss lachen, Tränen mischen sich rein, ein Schmerz zieht sich vom Magen bis weit hoch in den Hals hinein.
Einen neuen Hund haben, will ich erstmal nicht. Er war ein Unikum, mein Seelenhund. Lustig, intelligent, souverän und verdammt stur. Er hat mich 17 Jahre lang begleitet, war in Zeiten da, als es mir sehr schlecht ging.
Und, vermutlich können auch diesen Satz nur Hundebesitzer nachvollziehen,  ich habe sehr viel von ihm gelernt.

Heute scheint seit einigen Tagen endlich wieder die Sonne … so kraftvoll. Ich glaube er ist jetzt drüben angekommen. 🙂
Und Mila ist ja auch noch da. Über sie bin ich ein wenig erstaunt, man merkt ihr gar nichts an, obwohl ich Balus Körbchen wieder mit nachhause gebracht habe.
Ich habe vermutet, dass sie einen „anderen“ Geruch wahrnimmt o.ä.
Vielleicht versucht sie ja mich aufzumuntern. Das rede ich mir einfach ein.

3 thoughts on “Als er ging – Mein Hund Balu

  1. So ein süßer Kerl und so ein stolzes Alter! Ich finde, Du hast Dich vollkommen richtig entschieden. Auch, wenn es schwer fällt und verdammt schmerzt. Ich habe damals, als meine Gini eingeschläfert wurde, geheult wie ein Schlosshund. So ein trauriger Moment. Aber es war der richtige Weg und auch der richtige Zeitpunkt.
    Im Januar wurde meine Fay nun zum zweiten Mal operiert, da sie Mammatumore hatte. Wir haben die halbe Gesäugeleiste entfernt und die Milz (da war ein Schatten zu sehen). Einer der zwei Tumore war bösartig. Aber die Prognose ist vorsichtig positiv, da der Tumor noch sehr klein war und wir großflächig entfernt haben. Ich wünsche mir so sehr, dass sie auch noch ein paar Jahre bei mir sein wird. 17 wird sie wohl nicht werden, aber ich hoffe schon noch ein wenig.
    Fühl Dich gedrückt, es tut sehr weh. Mir hat nach Ginis Tod damals geholfen, dass ich kurze Zeit darauf Fay hatte. Da blieb nicht viel Zeit zum Trauern. Für mich war es gut so und mir graut es fürchterlich vor dem Tag, an dem es bei Fay so weit ist. Es ist wunderschön, wenn man einen Hund findet, den man „Seelenhund“ nennen kann. Etwas ganz besonders 🙂

    1. Wirklich, ich danke dir für deinen lieben Worte!

      Jetzt kann ich auch den Namen „Gini/Ginni“ nachvollziehen. Ich wusste nicht, dass deine Hündin so hieß. 🙂 Auch ein Rotti?
      Ich drück euch ganz doll die Daumen, dass die süße Fay alles gut verkraftet und ihr noch viele wunderbare gemeinsame Jahre miteinander habt.

      Ich habe immer gesagt, dass ich niemals an den Tag denken mag, wenn Balu nicht mehr ist und konnte mir nicht vorstellen, bei einer Euthanasie dabei zu sein.
      Ich wollte ihn so in Erinnerung behalten wie er war. Aber jetzt weiß ich, dass ich es mir nicht verziehen hätte, wenn ich ihn in dem Augenblick alleine gelassen hätte, auch wenn der Anblick furchtbar schwer war. Mein Trost war in dem Moment, dass er so unglaublich friedlich eingeschlafen ist. Dafür bin ich sehr dankbar.
      MuhKuhAddict kürzlich veröffentlicht…Als er ging – Mein Hund BaluMy Profile

      1. Ginni war als Kind mein Spitzname, weil ich ja eigentlich Ginger heiße 😉 Gini kam aus dem Tierschutz zu uns und ich dachte, es muss ein Zeichen sein, dass sie fast genauso heißt wie ich. Sie war auch ein Rotti, ja 🙂

        Oh ja, ich finde es sogar sehr wichtig, auch im letzten Moment dabei zu sein. Ich werde meine kleine Eule auch in diesem letzten Moment nicht alleine lassen. Ich denke, es hilft einem auch, zu sehen, wie dieser letzte Moment wirklich war. Nachher macht man sich irgendwelche Vorstellungen (Hat er/sie gelitten, war es schmerzhaft …). So weiß man, wie es passiert ist.

        Diesen leeren Blick habe ich bei meiner Gini damals übrigens auch gesehen. Ich habe in ihren Augen gesehen, dass sie friedlich eingeschlafen ist, bevor die Tierärztin mir dies bestätigen konnte. Man sieht es einfach.

        Und ich finde, es hilft auch ungemein, darüber zu reden oder zu schreiben oder sich irgendwie anderweitig aktiv damit auseinanderzusetzen. Ich habe damals, nur für mich, ein Video von Gini gemacht. Die schönsten Bilder und Momente, dazu Guns N‘ Roses Don’t Cry ;o)
        Ginni kürzlich veröffentlicht…Dem Berggarten ganz naheMy Profile

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